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Angler beklagen anhaltende Flusszerstörung

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Karsten Schmidt aus Röbschütz ist seit Samstag neuer Präsident des VANT. Der 38-jährige Selbständige führt auch die "Auenland-Akademie" in Niederkrossen, eine vom VANT und Landesjagdverband gemeinsam betriebene Bildungseinrichtung. Thüringens Angler beklagen die zu geringen Fortschritte bei der naturnahen Wiederherstellung der Fließgewässer im Freistaat. „Die Zerstörung der Flüsse geht ungebremst weiter“, erklärte Gerhard Kemmler, Vizepräsident des Verbands für Angeln und Naturschutz in Thüringen (VANT), am Sonnabend vor der Mitgliederversammlung des Verbands in Niederkrossen.
So sei es kein Wunder, dass bislang nur 13 der 140 Gewässersysteme den „guten ökologischen Zustand“ gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie aufwiesen. Jüngste Beispiele seien der genehmigte Neubau eines Wasserkraftwerks an der Werra bei Treffurt und der Wiederaufbau des Wehres in der Weißen Elster in Gera-Debschwitz, wo gleichfalls Strom erzeugt werden soll. Gegen beide Genehmigungen klagt der VANT, wie er auch insgesamt rund 200 Beschwerden und Petitionen gegen die aus Sicht der Angler einseitige und rechtswidrige Förderung der Wasserkraft vorgeht, die ein Auf- und Absteigen der Fische in den Flüssen nahezu unmöglich mache.
Fast keine der installierten Fischtreppen oder Seitenkanäle an den Wehren ließen die Tiere wirklich passieren, erklärte Kemmler, so dass Fische entweder an den Rechen der Kraftwerke zerdrückt oder in den Turbinen gehäckselt würden.

Kormoranverordnung soll verschärft werden
Trotz mehrfacher Beschwerden würden Genehmigungsbehörden immer wieder bei Neubauten auf Umweltverträglichkeitsprüfungen verzichten: „Es interessiert überhaupt niemanden, dass permanent gegen geltendes Recht verstoßen wird.“ Leider gelte das auch für ein aktuelles Urteil des Europäischen Gerichtshofes zu Weservertiefung, das in seiner Begründung Einbauten in Flüsse nur noch bei einem klaren übergeordneten Interesse zulasse und auch rückwirkend gelte. Folgten die Behörden diesem Urteil tatsächlich, „müssten in Deutschland rund 2000 Wasserkraftanlagen abgerissen werden“, so Kemmler.
Überfällig ist nach Auffassung des VANT die Verlängerung und Verschärfung der Thüringer Kormoranverordnung. „Unsere Gewässer werden regelrecht leer gefischt durch den Kormoran“, betonte Kemmler und forderte die Landesregierung auf, endlich den von der EU-Kommission eröffneten weitgehenden Ausnahmen innerhalb der Vogelschutz-Richtlinien zu folgen, um die schwarzgefiederten Schwimmvögel, von denen jeder bis zu ein Kilo Fisch pro Tag vertilgt, zu dezimieren.
Kemmler kritisierte in diesem Zusammenhang die offizielle Kormoran-Zählung in Thüringen als geschönt. Statt der rund 1850 Vögel im Dezember laut amtlicher Statistik müsse man von einem Rekordwert von etwa 2500 Kormoranen ausgehen, weil große Schlafplätze etwa an den Saale-Stauseen gar nicht erfasst wurden. „Wir brauchen endlich gleichen Schutz für Vögel und Fische“, unterstrich der VANT-Vize.
Umwelt-Staatssekretär Olaf Möller (Bündnisgrüne) warb für Kompromisse sowohl bei der Durchgängigkeit von Gewässern wie auch bei der Kormoran-Begrenzung. „Fische haben eine Lobby bei uns, aber wir können nicht alle Wasserkraftwerke wieder abreißen“, sagte Möller. Man werde aber die Förderbedingungen etwa für Fischtreppen und tierschonende Anlagentechnik deutlich verbessern. Sowohl bei der Erarbeitung der neuen Kormoranverordnung wie auch bei Änderungen des Fischereigesetzes halte die Landesregierung am „konstruktiven und kritischen Dialog“ mit den Anglern fest, betonte Landwirtschafts-Staatssekretär Klaus Sühl (Linke) und verwies auf die eingesetzte Arbeitsgruppe unter Leitung von Thüringens oberstem Artenschützer Martin Görner. Das Ministerium werde auch künftig die Bildungs- und Jugendarbeit des VANT mit Mitteln aus der Fischereiabgabe unterstützen.

Neuen Verbandspräsident gewählt
Mit dem 38-jährigen Karsten Schmidt aus Röbschütz (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt) wählte die Versammlung einstimmig einen neuen Verbandspräsidenten. Schmidt, der auch die „Auenland-Akademie“ des VANT in Niederkrossen leitet, folgt auf den langjährigen Präsidenten Reinhard Karol (Rudolstadt), der im September 2015 wegen schwerer Krankheit sein Amt niederlegen musste. Der VANT zählt etwa 6500 Mitglieder in rund 120 Vereinen.

Quelle: Jens Voigt / 11.04.16 / OTZ
Foto: Holger Hollemann / dpa